GSB 7.0 Standardlösung

Boxen

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Verband

Im Deutschen Boxsport-Verband (DBV) sind 17 Landesverbände mit 805 Vereinen und ca. 73.200 Mitglieder organisiert.

Risikobewertung

Die befragten Verbandsärzte beschreiben das Risiko, ein leichtes Schädel-Hirn-Trauma (Gehirnerschütterung) zu erleiden, mehrheitlich als hoch bis sehr hoch. Kopfverletzungen machen nach einer amerikanischen Kohortenstudie > 70 % der Verletzungen beim Boxen aus. Unter den Kopfverletzungen waren leichte Schädel-Hirn-Traumen die häufigsten (33 %), gefolgt von offenen Wunden (29 %), Frakturen (19 %) und Verletzungen von Nase und Augenbrauen (19 %).

Die Inzidenz von leichten Schädel-Hirn-Traumen wird in der Literatur von 5,8 bis 11,4 pro 1000 Athletes Exposures (*) angegeben (Toth, McNeill & Feasby, 2005; Zazryn, Cameron & McCrory, 2006; Zazryn, McCrory & Cameron, 2009; Porter & O‘Brien, 1996; American Academy of Pediatrics, 2011). Laut Stand der Literatur verletzen sich sowohl Profis als auch Amateure im Wettkampf häufiger als im Training (57 % zu 43 %). Die Hauptursache für leichte SHT beim Boxen scheinen nicht die klassischen spektakulären Knockout-Schläge zu sein, sondern mehrere aufeinander folgende Kopftreffer ohne direkt auftretende Bewusstlosigkeit.

Über das Risiko, ein Schädel-Hirn-Trauma im Boxen zu erleiden, und die Folgen scheinen sich die meisten im Boxsport Aktiven bewusst zu sein.

Medizinische Betreuung beim DBV

Für eine differenzierte Diagnostik, Behandlung, Therapie und das Management des Return-to-Competition werden im Boxsport mehrheitlich Neurologen/Neurologinnen, Neuroradiologen/-radiologinnen und Neuropsychologen/-psychologinnen zugezogen. Der typische Ablauf im Falle eines leichten Schädel-Hirn-Trauma ist im Boxsport nicht systematisiert und es gibt keine Empfehlungen oder Leitlinien. Auf der Internetseite des Verbandes befinden sich folgende Informationsmaterialien:

Formular zu KO-Meldung und Schutzsperre

Ringarztbuch (dieses regelt sehr detailliert medizinische Einschluss- und Ausschlusskriterien sowie die ärztlichen Pflichten rund um die Betreuung der Sportlerinnen und Sportler)

Diagnostik

Baseline-Tests gehören nicht zu den Standards im Boxverband. Zur Grunduntersuchung von Boxenden gehören teilweise auch MRTs. In der Befragung für die Expertise wurden zusätzlich SCAT-Testungen und MR-Angio zur Erfassung von anatomischen Besonderheiten genannt, die von einzelnen Ärzten jährlich eingesetzt werden.

Prävention

Regeln des Verbandes zum Schutz der Sportler und Sportlerinnen vor einem leichten Schädel-Hirn-Trauma, die sich auch in den Recherchen der Regelwerke wiederfinden, sind:

  • Kopfstoßverbot
  • Strenge Schutzsperren durch Ringärzte, mit Dokumentation im Pass
  • Neurologische Untersuchungen vor und nach dem Kampf

(*) Ein Athlete-Exposure ist die Teilnahme eines Sportlers bzw. einer Sportlerin an einem Training oder Wettkampf, bei dem er dem Risiko einer Concussion ausgesetzt ist (McKeag & Moeller, 2007).

 

Quelle

Die hier stehenden Informationen und Daten sind der Expertise zum Thema „Schädelhirnverletzungen im deutschen Spitzensport“ entnommen.

Expertise (PDF, 6MB, Datei ist nicht barrierefrei)